In dieser Rubrik finden Sie aktuelle Informationen zur Forschungsausrichtung der Professur, zu laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekten sowie zu aktuellen Publikationen.

Die Professur beschäftigt sich mit verschiedenen Untersuchungen zur visuellen sowie auditiven Wahrnehmung und Bewertung komplexer Bewegungsausführungen, auf Basis der Trias von perzeptuell-kognitiven Prozessen, Bewegungskoordination & Fertigkeitsaneignung und interpersoneller Koordination. Sportarten wie Gerätturnen, Gymnastik/Tanz und Kampfsportarten dienen dabei meist als Untersuchungsgegenstand.

Aktuelle Forschungsarbeiten werden entlang der folgenden drei Schwerpunkte (und deren Überschneidungsbereiche) realisiert:

  • Perzeptuell-kognitive Prozesse bei komplexen Bewegungen
  • Motorische Koordination und Bewegungslernen
  • Interpersonelle Koordination

Im ersten Schwerpunkt geht es darum zu verstehen wie Prozesse der Wahrnehmung und Kognition die motorische Kontrolle bei komplexen Bewegungshandlungen begleiten. Im zweiten Schwerpunkt werden Besonderheiten der motorischen Koordination und Verläufe im Bewegungslernen bei komplexen Bewegungshandlungen adressiert. Im dritten Schwerpunkt geht es darum, Synchronisationsprozesse zwischen agierenden Sportlern zu verstehen. Der Sportartenfokus liegt auf den technisch-kompositorischen Sportarten und den Kampfsportarten. Im Bereich der Forschungsmethodik kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz (Bildschirmexperimente, Eye-Tracking, Bewegungsanalyse).

Abbildung der Forschungsstruktur; Erklärungen siehe Fließtext. Abbildung: Thomas Heinen
Die Forschungsstruktur der Professur. Abbildung: Thomas Heinen

Aktuelle & ausgewählte Forschungsprojekte

Das im März (2018) begonnene Promotionsprojekt beschäftigt sich mit der auditiven und visuellen Wahrnehmung von komplexen Bewegungen. Um sich den Prozessen, die bei der Bewegungswahrnehmung eine Rolle spielen, zu nähern, wird eine publikationsbasierte Arbeit angestrebt. Dabei wird sich auf die Wahrnehmung von visuellen und auditiven Informationen fokussiert. Vier verschiedene Studien werden innerhalb des Projektes angestrebt.  
Zum aktuellen Zeitpunkt sind zwei Artikel veröffentlicht und ein dritter befindet sich im Veröffentlichungsprozess. Die ersten beiden Studien befassen sich mit Experten-Novizen-Vergleichen hinsichtlich der Qualität der Bewegungswahrnehmung im Gerätturnen unter drei verschiedenen Bedingungen (audio-visuell, visuell, auditiv). Hierbei wurde eine dreiteilige Elementabfolge am Gerät Boden als Untersuchungsgegenstand gewählt. Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Studie greift die anschließende zweite Untersuchung die dreiteilige Bewegungsfolge erneut auf. Der Fokus wird hierbei durch Manipulationen auf die auditive Wahrnehmung der natürlichen Bewegungsgeräusche gelegt. Die Ergebnisse der zweiten Studie legen die Grundlage für die dritte Untersuchung, in der der Einfluss von Musik auf die Bewegungswahrnehmung im Gerätturnen weiblich untersucht wird. Weiterhin ist die dreiteilige Elementabfolge am Boden Gegenstand der Untersuchung.

In der vierten Studie soll eine Übertragung der Ergebnisse der ersten Studie in eine andere Disziplin des Turnens (Trampolin) erfolgen, um die Interaktion von visuellen und auditiven Informationen intensiver zu betrachten. Des Weiteren wird der Einfluss der auditiven und visuellen Informationen der Bewegungsregulation für die Bewegungsbewertung in den Fokus rücken.

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Der Zusammenhang zwischen der quantifizierbaren Bewegungsausführung und der Beobachtung und Einschätzung der Bewegungsqualität spielt in technisch-akrobatischen Sportarten wie dem Gerätturnen einen integrale Rolle für Trainer, Kampfrichter aber auch die Athleten selbst. Die Zielstellung dieses Projektes ist dreigeteilt: In einem ersten Schritt werden bewegungsseitig prototypische Turnübungen kinematisch untersucht. Darauf aufbauend wird der Zusammenhang zwischen den kinematischen Gegebenheiten und der qualitativen Bewertung analysiert. In einem dritten Schritt wird der Einfluss von Expertise und anderen bewertungsrelevanten perzeptuellen sowie kognitiven Variablen und Prozessen im Evaluationsprozess exploriert. Methodisch soll dies zum einen mit Bewegungsanalysesoftwares, Eyetracking, multivariater Datenanalyse sowie mit experimentellen Designs umgesetzt werden. Das Projekt wird durch ein Stipendium (Doktorandenförderplatz) finanziert und enthält Kooperationen mit dem Institut für Informatik der Universität Leipzig.

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Eines der zentralen Themen der Sportpsychologie ist das Mentale Training (MT). Psychologen, Trainer und Sportler nutzen MT-Techniken als Instrument zur Optimierung des Eigenzustands und zur Verbesserung der Lern- und Leistungsfähigkeit im Sport. Insbesondere eignet sich der Einsatz als Unterstützung beim Erlernen und Stabilisieren von Bewegungsfertigkeiten in Sportarten, die ein hohes technisches Anforderungen haben.

Darauf aufbauend ließe sich annehmen, dass sich auch die Leistungen von Sportstudierenden im Turnen durch den Einsatz des MT erheblich verbessern lassen. Ausgehend davon wird ein psychologisch orientiertes Fertigkeitstraining (POFT) gestaltet, um die Bewegungsvorstellung bei Sportstudierenden zu verbessern. Das Projekt untersucht die Auswirkung von kombinierten POFT und motorischem Training auf turnerische Fertigkeiten, die Fähigkeit der Mentalvisualisierung, sowie die Fähigkeit der Muskelentspannung von Sportstudierenden (Prä- zu Postphase). Darüberhinaus geht es der Frage nach, ob diese Auswirkungen auch über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben kann (Retentionsphase), und ob sich ähnliche Effekte auf perzeptuell-kognitive Aspekte und motorische Leistungsfähigkeit (wie z.B. Kraft und Beweglichkeit) ergeben könnten.

Ergebnisabbildung eines rückwirkungsfreien Eyetrackings am Sprung, Abbildung: Damian Jeraj
3D Kamerasystem mit bis zu acht Kameras, das für relativ stationäre komplexe Bewegungen genutzt wird. Foto: Thomas Heinen
Spacecurl, das vor allem für Untersuchungen bei unterschiedlichen Körperlagen und Bewegungen genutzt wird. Foto: Thomas Heinen

Aktuelle & ausgewählte Publikationen

Die Professur hat zuletzt folgende ausgewählte Publikationen veröffentlicht:

  • Lautenbach, F.; Loeffler, J.; Jeraj, D.; Musculus, L.
    High Fives: Effekte auf psychophysiologische Parameter und sportliche Leistung
    Zeitschrift für Sportpsychologie . 2021. 28 (2). S. 63-74
    DOI: https://doi.org/10.1026/1612-5010/a000334

  • Heinen, T.; Veit, F.
    Trampoline performance under changing visual conditions
    Journal of Human Sport and Exercise. 2020. 15 (3). S. 643-652
    DOI: 10.14198/jhse.2020.153.14

  • Mack, M.
    Exploring cognitive and perceptual judgment processes in gymnastics using essential kinematics information
    Advances in Cognitive Psychology. 2020. 16 (1). S. 34-44
    DOI: 10.5709/acp-0282-7

  • Mack, M.; Federbusch , S.; Ferber , M.; Heinen, T.
    Movement prototypes and their relationship in the performance of a gymnastics floor routine
    Journal of Human Sport and Exercise. 2020. 15 (2). S. 303-318
    DOI: 10.14198/jhse.2020.152.06

  • Scharenberg, S.; Menze-Sonneck, A.; Heinen, T.
    Kaleidoskop des Turnens im Sportunterricht 2030
    Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge. 2020. 61 (1). S. 150-163

  • Veit, F.
    How does auditory information influence observers’ perception during the evaluation of complex skills?
    Science of Gymnastics Journal. 2020. 12 (2). S. 119-133

  • Vinken, P. M.; Heinen, T.
    Perceived aesthetic features differentiating between complex artistic dance skills of varying style
    Science of Gymnastics Journal. 2020. 12 (2). S. 119-133

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