Geschichte Teil 1

Bereits seit über einem Jahrhundert ist Leipzig eine Stätte sportwissenschaftlicher Lehre und Forschung mit weit über die Grenzen der Stadt und des Landes hinausreichender Bedeutung.
Am Beginn stand der Allgemeine Turnverein 1845, der erste Turnverein Leipzigs, zu dessen Gründern der Mediziner Karl Ernst Bock, Professor für Anatomie an der Universität Leipzig, gehörte. Die Vorturnerausbildung des ATV 1845, geprägt vor allem von Justus Carl Lion, dem späteren Direktor der Sächsischen Turnlehrerseminare, galt für die gesamte deutsche Turnbewegung als Vorbild.

 

1950/60er: Prof. Dr. Kurt Meinel (re.) hält hier eine Vorlesung im Hörsaal Nord der Deutschen Hochschule für Körperkultur. Meinel wurde 1950 zum Sportlehrer an der neu gegründeten Hochschule für Körperkultur in Leipzig berufen und war ab 1956 als Professor für das Fach: »Theorie der Körpererziehung« verantwortlich. Bereits ab 1927 arbeitete er am Pädagogischen Institut der Universität Leipzig. Meinel kann in Retrospektive seiner wissenschaftlichen Leistungen als Begründer einer pädagogisch orientierten Bewegungslehre angesehen werden.

Geschichte Teil 2

Mit dem 20. Jahrhundert entstand die Forderung nach einer akademischen Turnlehrerausbildung, die nach langjährigen Bemühungen von Hermann Kuhr Anfang der 20er Jahre an der Universität Leipzig begonnen wurde. Zunächst über vier, dann über acht Semester, wurde die Ausbildung von Turn- und Sportlehrerstudenten in den Lehrplan der alma mater lipsiensis aufgenommen. Mit der Berufung von Herrmann Altrock zum Professor für Pädagogik der Leibesübungen wurde in Leipzig 1925 die erste Sportprofessur an einer deutschen Universität geschaffen. Unter seiner Leitung wurde am Institut für Leibesübungen sowohl in der Sportlehreraus- und -weiterbildung als auch im allgemeinen Studentensport Hervorragendes geleistet. Die ausgewogene theoretische und praktische Ausbildung entsprach den modernsten Auffassungen jener Zeit und wurde durch historisch-philosophische, medizinische und trainingsmethodische Forschungen ständig verbessert. Damit erlangte die junge Sportwissenschaft wachsende Anerkennung und verhalf der Universität Leipzig zu einer führenden Position auf diesem Gebiet in Deutschland.

Eine zweite Lehr- und Ausbildungsstätte des Sports befand sich mit der Bundesschule des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Leipzig. Sie hatte als zentrale Institution zur Ausbildung und Schulung von Übungsleitern, Lehrwarten, Schiedsrichtern und Funktionären für den Arbeitersport bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten internationale Bedeutung.

Geschichte Teil 3

Den guten Ruf Leipzigs als Stätte sportwissenschaftlicher Lehre und Forschung setzte in den Jahren von 1950 bis 1990 die Deutsche Hochschule für Körperkultur fort. Hier wurden Diplomsportlehrer und Lehrer für Körpererziehung ausgebildet, die ihre Einsatzbereiche im Schulsport, im Breiten- und Leistungssport fanden. Durch die enge Verknüpfung von Lehre und Forschung, die Verbindung von Theorie und Praxis erlangte die DHfK Leipzig hohe Anerkennung. Diese fand auch Ausdruck in der internationalen Trainerausbildung, an der Studenten aus mehr als 100 Ländern teilnahmen. Zahlreiche Publikationen von Wissenschaftlern dieser Hochschule zählen noch heute zu den Standardwerken der Sportwissenschaft.

Mit der nach Abwicklung der DHfK vollzogenen Gründung der Sportwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Leipzig 1993 wird die lange Traditionslinie sportwissenschaftlicher Lehre und Forschung in dieser Stadt fortgeschrieben.